Der Jakobsweg … seit 2017 übte er eine eigentümliche, magische Anziehung auf mich aus. In diesem Jahr war ich sechs Monate mit meinem VW-Bus in Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs. Bei Eourres in der französischen Provence nahm ich teil am „Moutain Samadhi Retreat“ von Mirabai Ceiba. Das alleine war eine zutiefst tief berührende, verbindende Erfahrung. Nach dem Retreat blieb ich noch ein paar Tage länger und hatte das Glück, Miriam Sieber kennenzulernen, die Mutter von Markus, dem Sänger von Mirabai Ceiba.

Für mich war das eine dieser Begegnungen, die das Leben verändern.

Sie erzählte mir aus ihrem reichen Leben, von all den schwierigen Erfahrungen, die sie mit ihrer Familie in der DDR erlebte, von der Gefahr, die über den Montagsdemonstrationen schwebte und von ihrem ganz persönlichen Jakobsweg, den sie Jahre später ging. Zum Abschied schenkte sie mir eines ihrer Bücher: „Die Tänzerin auf den Straßen – mein Jakobsweg“. Und so kam der Pilgerweg wieder in mein Leben, Jahre nachdem ich Paolo Coelhos „Auf dem Jakobsweg“ verschlungen hatte.

Damals hätte ich mir nie vorstellen können, dass es weitere fünf Jahre dauern sollte, bis ich ihn selbst gehe … So ist es ja manchmal, wenn das Leben zu Hause wieder seinen Lauf nimmt, wenn der Alltag und die Arbeit wieder an einem ziehen und zerren und die Beziehung oder Familie ihren Raum fordert.

Und dann kam Corona. Vollbremsung. Erster Lockdown. Keiner weiß, was Sache ist. Ich bin mittendrin umgezogen. In einen neuen Ort, der sich in den ersten paar Wochen wie eine Geisterstadt anfühlte. Beim Ausräumen der Umzugskisten fiel mir Miriams Buch in die Hände. Und wieder berührte es mich auf ganz besondere Art und Weise.

Und es war klar: der Jakobsweg ruft mich. Und ich würde ihn nicht wieder fünf Jahre warten lassen. Ich würde ihn gehen, heuer, im Jahr 2021. Corona hin oder her.

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